Volker Braun

Auf dem Schlackeberg, dem Schutt ihrer Existenz in diesem Weltgebäude

Mittwoch, 7. März 2012, 20:00 Uhr
Ratssaal des Alten Progymnasiums Rietberg, Klosterstr. 13

VVK: 11,00 € inkl. VVK-Gebühr| AK: 14,-- €

© Peter Peitsch/peitschphoto.com
© Peter Peitsch/peitschphoto.com

Am 1. Mai 1992 demonstrieren 4000 streikende Arbeiter an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und errichten einen Zaun mit der Aufschrift: „Kein Kolonialgebiet“. Der Protest nimmt immer größere Dimensionen an, man marschiert gen Berlin, debattiert die Belagerung von Erfurt, kurz: es kommt zum großen Arbeiterkrieg. Der Fabulierkraft und -lust, dem Witz und dem Humor Volker Brauns ist es zu verdanken, wenn in seiner neuen Erzählung „Die hellen Haufen“ (2011) die Akteure konkret und einfühlsam, ironisch und bitterernst, von einem Aufstand berichten, der nie stattfindet und vielleicht auch nie stattfinden wird. Zwar streift in dieser kühnen Utopie - in einer Kleist gemahnenden Manier - ein Heerhaufen Entlassener und Arbeitsloser durch Mitteldeutschland – dass sie aber nicht kämpfen ist der bittere, süße Faden der Erzählung. Sie sammeln sich auf einem Schlackeberg, dem Schutt ihrer Existenz, die im Grunde nicht zu verteidigen ist.

Volker Braun wurde 1939 in Dresden geboren. Nach dem Abitur ohne Studienplatz arbeitete er in einer Druckerei, beim Tiefbau-Kombinat Schwarze Pumpe und absolvierte einen Facharbeiterlehrgang im Tagebau Burghammer. Von 1960 bis 1964 studierte er Philosophie in Leipzig und arbeitete anschließend als Dramaturg am Berliner Ensemble, für das er mit Unterbrechung bis 1990 wirkte. 1999 erhielt er die Brüder-Grimm-Professur an der Universität Kassel. Braun wurde für sein umfangreiches erzählerisches, dramatisches und lyrisches Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und konnte bereits im Jahre 2000 den Büchner-Preis, den wichtigsten deutschen Literaturpreis überhaupt, entgegennehmen.

 

Veranstalter:
kulturig e.V. zusammen mit der Buchhandlung Lesezeichen und der Stadtbibliothek Rietberg