Klaus Wagenbach in Rietberg

Der berühmteste Verleger Deutschlands: Querkopf, Freigeist, Italienfreund und Kafkabeschwörer.

Mittwoch, 18. April 2012, 20:00 Uhr

Ratssaal des Alten Progymnasiums Rietberg, Klosterstr. 13

VVK: 8,80 € inkl. VVK-Gebühr | AK: 11,-- € | Im Abo möglich

© Klaus Wagenbach Verlag, Berlin
© Klaus Wagenbach Verlag, Berlin

Für Michael Krüger, Geschäftsführer des Hanser Verlages, ist er heute der berühmteste Verleger Deutschlands. Und tatsächlich, kaum ein in Unabhängigkeit bestehender Verlag trägt in Programm und Ästhetik so starke von der Persönlichkeit seines Verlegers geprägte Züge wie das 1964 von Klaus Wagenbach gegründete Verlagshaus in Berlin. Seine ganz persönliche Vorliebe galt und gilt Franz Kafka, über den er 1957 promovierte und dessen Werk er wie kein zweiter in Deutschland biografisch, literatur- und kulturgeschichtlich erforscht und mit schönsten Buchaus-gaben bedacht und damit bekannt und populär gemacht hat.

Legendär sind Wagenbachs unzählige Prozesse um die Freiheit des Geistes, des Wortes und der Literatur, verteidigt dabei oft vom späteren Bundesinnenminister Otto Schily. Er ist der Wiederentdecker und Verleger des deutsch-englischen Lyrikers Erich Fried. Er war der Verleger Wolf Biermanns im Westen, als dieser noch als persona non grata im Hausarrest hinter der Mauer im östlichen Berlin saß und ohne echte Verbreitungsmöglichkeit in der DDR seine Verse zur Gitarre sang. Sein Eintre-ten für Biermann trug dem West-Berliner Verleger damals ein höchst kostspieliges Lizenz-, Einreise- und Durchreiseverbot der DDR ein, das von 1966 bis 1973 währte.

© Klaus Wagenbach Verlag, Berlin
© Klaus Wagenbach Verlag, Berlin

Kaum ein Studenten- und Intellektuellenhaushalt der 60-er und 70-er Jahre, in dem Wagenbachs berühmte schwarze Quarthefte eher rötlichen Inhalts nicht zu finden waren. Mit Michael Krüger gab er die Zeitschrift „Freibeuter“ und das Literaturmagazin „Tintenfisch“ heraus. Zu den von Wagenbach verlegten Autoren zählen Paul Ce-lan, Marguerite Duras, Johannes Bobrowski, Christa Reinig, Ingeborg Bachmann, Günter Grass und Peter Rühmkorf.

 

Ein ganz eigenes, höchst gewichtiges Verlagskapitel stellt Wagenbachs Italien-Leidenschaft dar. Das bekennende Mitglied der „Toskana-Fraktion“ gab nicht nur Autoren wie Italo Svevo, Alberto Moravia, Italo Calvino, Luigi Malerba, Umberto Eco und Giorgio Manganelli heraus, sondern öffnete den Verlag auch für gehobene Reiseführer für den Süden, für ehrgeizige Anthologien und anspruchsvolle kulturgeschichtliche Darstellungen zu dem Land, wo die Zitronen blühen. Da ist es nur verständlich, dass solch eindrucksvolle Bemühungen auch zahlreiche mediterrane Ehrungen und Auszeichnungen zur Folge hatten, so zum Beispiel den florentiner Ardinghello-Preis sowie die Ehrendoktorwürde der Universität Urbino, beide 2006.

 

Klaus Wagenbach wurde 1930 in Berlin geboren und ist dort aufgewachsen. 1950 begann er eine Buchhandelslehre in den Verlagen Suhrkamp und S. Fischer. Neben seinem Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Archäologie in München und Frankfurt am Main arbeitete er beim S. Fischer Verlag. Nach der Promotion über Franz Kafka und einer Tätigkeit beim Modernen Buch-Club Darmstadt ging er 1959 als Lektor zurück zu Fischer. Im Herbst 1964 gründete er den Verlag Klaus Wagenbach, dessen Leitung er 2002 an Susanne Schüssler abgab. Klaus Wagenbach lebt in Berlin.

 

In Rietberg liest Klaus Wagenbach aus seinem großen rückblickenden Buch „Die Freiheit des Verlegers. Erinnerungen, Festreden, Seitenhiebe“, das aus Anlass seines 80. Geburtstags im Jahre 2010 erschienen ist.