Theater der Dämmerung

Gottfrieds Tristan um 1200

Ein Liebesroman von so großer Schönheit und so atemberaubender Kühnheit, dass er die Grenzen des Mittelalters sprengt.

Freitag, 24. Mai 2013, 20:00 Uhr

Ratssaal des Alten Progymnasiums Rietberg, Klosterstr. 13

VVK: 9,90 € inkl. VVK-Gebühr | AK: 12,00 €

© Wanja Kilber
© Wanja Kilber

Über die große Leinwand gleitet ein wellenförmiges, schwarz-weißes Gebilde. Es könnten die langen Locken einer Frau sein, oder Wurzelgeflecht. Ganz allmählich verändert sich das Bild. Das Gebilde verwandelt sich zu einem Fluss, an dem sich schemenhaft kleine Figuren tummeln. Marke, der König von Cornwall und der Oheim von Tristan, feiert sein Frühlingsfest. Damit beginnt die Lichtspielmoritat von Tristan und Isolde des Düsseldorfer Theaters der Dämmerung.

Meister Gottfried von Straßburg im Kreise seiner Zuhörer, Manessische Liederhandschrift, 14. Jh.
Meister Gottfried von Straßburg im Kreise seiner Zuhörer, Manessische Liederhandschrift, 14. Jh.

In gut zwei Stunden erzählen der Düsseldorfer Schauspieler Friedrich Raad und der Hamburger Maler Wanja Kilber mit projizierten Bildern die schönste und kühnste Liebesgeschichte des Mittelalters, die in ihrer Radikalität, Tragik und schier endlosen Unauflöslichkeit auch in der neuzeitlichen Literatur kaum eine Entsprechung findet. Erzählt wird das Schicksal des schönsten, mutigsten, gebildetsten und glänzendsten Ritters, Fürsten und Helden, den das europäische Mittelalter je sah. Erzählt wird von Tristans süßer wissbegierigen Jugend, von Tristans Kampf mit dem goliathgleichen Morold, der ihn schließlich als Drachentöter an den Hof von König Gormund und die Königstochter Isolde nach Irland bringt. Erzählt wird von Tristans verhängnisvoller Brautfahrt für König Marke, von Zauber und Verrat, vom Liebestrank, der doch für Isolde und König Marke bestimmt war, der aber nun Tristan unrettbar und ewig an die Braut seines Oheims bindet. Erzählt wird von einer Liebe, die aller Unwägbarkeiten und Intrigen, aller Hindernisse, Verbote und moralische Vorbehalte zum Trotz nie enden kann und im Leben auch nie enden wird.

© Wanja Kilber
© Wanja Kilber

So hat schließlich Gott selbst ein Einsehen. Er greift ein und lässt die Ehebrecherin Isolde die Feuerprobe bestehen. Und so hebt das Epos, das der Dichter Gottfried, mutmaßlich ein hoher Kleriker am bischöflichen Hof von Straßburg, um 1200 verfasst hat, das Mittelalter selbst auf und verweist in seiner unerhörten Kühnheit bis weit in die Moderne hinein.

 

„Tief ist der Brunnen der Vergangenheit!“ - In der Art eines mittelalterlichen Troubadours erzählt Friedrich Raad dieses herausragende Sittengemälde des höfischen Mittelalters, während gleichzeitig über die Leinwand die faszinierenden Bilder von Wanja Kilber gleiten. Der Erzählfassung liegen die neuhochdeutschen Übertragungen von Wilhelm Hertz und Karl Simrock zugrunde. Doch auch die Nachdichtung lässt die Sprachgewalt eines Gottfried von Straßburg erahnen, dessen Tristan für die höchste Blüte der deutschen Literatur des Mittelalters steht.

Die Spieldauer beträgt 2 ½ Stunden. Gegen 21.00 Uhr gibt es eine Pause.

 

Veranstalter: kulturig e.V. zusammen mit der Buchhandlung Lesezeichen und der Stadtbibliothek Rietberg