„… jetzt, da ich sehen lerne.“

Blanche Kommerell spricht und liest Rainer Maria Rilke:

Malte Laurids Brigge, dazu Gedichte und Briefe

Freitag, 24. Oktober 2014, 20:00 Uhr

Ratssaal des Alten Progymnasiums Rietberg, Klosterstr. 13

VVK: 7,70 € inkl. VVK-Gebühr | AK: 9,00 € | Abo

Gemeinsam mit dem Kunsthaus Rietberg - Museum Wilfried Koch

© Österreichische Post
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Der 1904 in Rom begonnene und 1910 in Paris vollendete Roman „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ ist der einzige Roman des Dichters Rainer Maria Rilke (1875-1926) geblieben und zählt heute als ein Schlüsselwerk des europäischen Aufbruchs in die Moderne uneingeschränkt zur Weltliteratur. Das auch als „Prosagedicht“ bezeichnete Erzählwerk in Tagebuchform reflektiert wie der „Ulysses“ des James Joyce die in gleicher Weise berauschend und beklemmend empfundene Großstadterfahrung des empfindsamen jungen Menschen. Wie wenig später auch Franz Kafka thematisiert Rilke hier die Grunderfahrungen von Verzweiflung, Entfremdung, Einsamkeit und Ausgeliefertsein. Etwa zeitgleich mit Marcel Proust und Arthur Schnitzler entwickelt Rilke im „Malte Laurids Brigge“ die sprunghaft empathische Erzählform des poetischen Bewusstseinstroms.

Die Schauspielerin, Autorin, Sprach- und Schauspiel-Dozentin Blanche Kommerell, geb. 1950 in Halle (Saale), trägt zentrale Szenen aus Rilkes „Malte Laurids Brigge“ vor. Ergänzt werden diese Passagen um Briefe und Gedichte von Rilke aus der Zeit der Entstehung dieses Romans. Seit den 80er Jahren entwickelte Kommerell, die Germanistik und Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität studiert und eine Schauspielausbildung an der Staatlichen Schauspielschule Berlin und am Berliner Ensemble absolviert hat, literarische Programme und Porträts auch zu Ingeborg Bachmann, Christa Wolf, Anna Achmatowa und Annette von Droste-Hülshoff u.a.

Als Schauspielerin wirkte Blanche Kommerell an Bühnen in Magdeburg, Potsdam, Leipzig und am Deutschen Theater in Berlin. Darüber hinaus inszenierte sie Stücke von Shakespeare, Goldoni, Goethe, Kleist, Büchner und Tschechow. Zu ihren größten Filmrollen gehören Frank Beyers Umsetzung von Jurek Beckers „Jakob der Lügner“ und die Verfilmung von Gerhard Hauptmanns „Bahnwärter Thiel“.

Der „Rilke-Abend“ ist auch eine Begleitveranstaltung zu der Ausstellung „Auf den Schultern der Alten“ des aus Neuenkirchen stammenden, abwechselnd in Gütersloh und Görlitz lebenden Künstlers Arnold Busch, die vom 19. Oktober bis zum 16. November im Kunsthaus Rietberg – Museum Wilfried Koch, Emsstraße 10, gezeigt wird. In der Ausstellung wird ein bedeutsamer Zyklus des Künstlers zu Rilkes „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ zu sehen sein.