Stephan Thome und sein neuer Roman „Gegenspiel“

Immer berührend, manchmal verstörend: Von Lissabon über Berlin in die Provinz von Nordrhein-Westfalen

Mittwoch, 04. Februar 2015, 20:00 Uhr

Ratssaal des Alten Progymnasiums Rietberg, Klosterstr. 13

VVK: 7,70 € inkl. VVK-Gebühr | AK: 9,00 € | Abo

Maria ist achtzehn und möchte raus aus Lissabon und raus aus Portugal. Mitte der Siebzigerjahre ist das Land politisch gespalten und bietet der jungen Frau wenig Perspektiven. Maria aber mag nicht heiraten, möchte keine Familie, will mehr von ihrem Leben. Als das neue Jahrzehnt anbricht, geht sie nach Berlin, beginnt ein Studium und eine Beziehung mit einem rebellischen Theatermacher, die bald scheitert. Allen Plänen vom unabhängigen Leben zum Trotz, findet sich Maria schließlich als Ehefrau und Mutter in der nordrhein-westfälischen Provinz wieder und schaut zu, wie ihr Mann Hartmut Karriere macht. Lange Zeit arrangiert sie sich mit den Verhältnissen. Doch als die Tochter erwachsen ist und auf dem Sprung aus dem Haus, trifft Maria eine Entscheidung …

 

Lissabon nach der Nelkenrevolution, die Hausbesetzerszene in Westberlin, die

deutsche Provinz vor und nach der Wende: Stephan Thome erzählt in markanten,

spannungsreichen Szenen eine bekannte Geschichte neu und völlig anders.

„Gegenspiel“ (2015) ist ein berührender und manchmal verstörender Roman über Täuschung, und Selbsttäuschung, über Aufbruch und Verantwortung, auch gegenüber dem eigenen Leben – ein Roman voller Empathie und von großer psychologischer Glaubwürdigkeit.

Stephan Thome wurde 1972 in Biedenkopf/Hessen geboren. Nach dem Zivildienst in einer sozialpsychiatrischen Einrichtung in Marburg studierte er Philosophie, Religionswissenschaft und Sinologie in Berlin, Nanking, Taipeh und Tokio. Von 2005 bis 2011 arbeitete er in Taipeh als wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Forschungseinrichtungen und veröffentlichte zahlreiche Aufsätze zur modernen Philosophie Chinas. Sein erster Roman „Grenzgang“ (2009), inzwischen verfilmt, stand wie sein zweiter Roman „Fliehkräfte“ (2012) auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis.

 

Stephan Thome wurde mit dem Aspekte-Literaturpreis und mit dem Kunstpreis Literatur 2014 ausgezeichnet. Mit „Grenzgang“ war Thome im Oktober 2010 schon einmal in Rietberg zu Gast. Damals war Rietberg die letzte Station einer langen Lesereise. Diesmal gehört die Emsstadt zu den ersten Orten, die der Erzähler aus dem Nordhessischen mit seinem neuen Buch „Gegenspiel“ (2015) aufsucht.